Ist der Tod gut oder schlecht für unser Leben?

Wir legen so viel in unser Leben hinein, in Ziele, in Tätigkeiten – aber ist letztlich nicht unser ganzes Leben in Bezug auf die Welt als Ganzes bedeutungslos?

Vor diesem Hintergrund haben wir Menschen uns etwas einfallen lassen:
wir nehmen unser Leben ernst und wichtig.Für den Kosmos ist unser Leben dagegen eine bedeutungslose Episode, aber eben nicht für uns. Wir nehmen uns und unser Leben ernst – deshalb sind wir hier.  Wir stellen uns in den Mittelpunkt unserer eigenen Welt. Und dabei stellen wir uns die Frage: Wie beeinflusst der Tod ein gelingendes Leben?  Ist unser Leben mit dem Tod – gewissermaßen als Fernziel – ein schlechtes oder ein gutes Leben? Ist der Tod gut oder schlecht für unser Leben?

Es geht also nicht um die Frage, Unsterblichkeit, Trennung Fleisch und Seele, sondern hier geht es darum, ob die Kenntnis des Todes das Leben belastet oder es befruchtend befeuert so könnte man es ausdrücken.

Reden wir also über das Leben, wenn wir uns fragen, ob der Tod gut oder schlecht ist.
Nach dem ersten Tag der Geburt heißt es für uns: leben und sterben. Und die Zeit soll möglichst in die Länge gezogen werden – und auch noch mit Qualität angefüllt werden.

Leben und sterben gehören zusammen, der Tod ist Voraussetzung für Lebensqualität.
Unsere Beschäftigung hier und heute mit der Endlichkeit zielt nicht darauf ab, unsere Freude
am Leben zu reduzieren. Im Gegenteil: wir wollen das Leben so lernen, dass es für uns Sinn
gebend ist. Und dass wir unseren Lebenshunger stillen können.

Leben und sterben sind eben Teile der Lebenskunst, ars vivendi – die Kunst zu leben, und ars moriendi, die Kunst möglichst gut zu sterben.

Wenn wir offen mit dem zentralen Aspekt unseres Daseins, dem Tod, umgehen, können wir
auch die Angst davor abbauen. Unser Leben gewinnt an Inhalt, an Tiefe, an Lebendigkeit. So kann die Thematik des Todes auch ein Beitrag zu unserer eigenen Lebensqualität sein.

In einer höheren Welt werden wir vollendet. Hier aber mischen sich dann Philosophie und Glaube. Damit gehören Leben und Sterben zusammen, der Tod kann damit als etwas Gutes bezeichnet werden

Und dieses Gute basiert auf der Endlichkeit.
Grundlage für die Annahme, dass der Tod etwas Gutes für unser Leben ist, ist es, die Endlichkeit zu akzeptieren. Diese Endlichkeit kann man unterschiedlich betrachten. Was ist der Tod? Und woher weiß der Mensch, dass er sterben wird? Nur weil andere sterben? Bei mir kann es doch ganz anders sein…? Letztlich wissen wir es nicht – trotz der Erkenntnistheorie des Todes.

Dieses Gutsein des Todes basiert auf unserem Wissen um die Endlichkeit.
Nun zur Kernfrage: ist der Tod nun gut? Oder von übel? Dabei geht es um unser Verhältnis
zum jeweils eigenen Tod. Ist es vernünftig, den eigenen Tod zu fürchten?
Das ist das Thema Todesfurcht, viele Philosophen haben versucht, uns Menschen die Furcht davor zu nehmen.,

Die Stimme des Herzens kann uns hier nicht weiterhelfen.
Aber die Vernunft sagt uns klar und deutlich: der Tod kommt bestimmt.
Aber wie passt die Todesfurcht zu der bisherigen Behauptung, dass der Tod etwas Gutes sei? Wir fürchten doch nicht etwas, was gut für uns ist!

Das ist richtig. Viele fürchten den Tod. Warum? Weil er so bestimmt daherkommt.
Ohne Ankündigung. Zumindest meist. Ganz plötzlich. Unser Gestaltungsspielraum ist da recht gering, wir setzen uns selbst nicht die Grenzen, uns wird die Grenze gesetzt.

Wir müssen den Tod passiv akzeptieren.
Unser Leben haben wir aktiv gestaltet – aber den Tod? Da müssen wir uns passiv ergeben!

Und damit ist der Tod ein Problem der Lebenden. Der Zurückbleibenden. Nun fehlt uns dieser Mensch! Der Gestorbene aber merkt es nicht. Der Tod ist also ein Problem der Lebenden. Uns selbst aber schmerzt der Tod als solches nicht: er ist also weder gut noch böse, er ist ganz einfach neutral.

Versuchen wir nun, unser Leben vom Ende her zu sehen. Das könnte eine Aufforderung sein, darüber nachzudenken, dass das Ende unausweichlich ist, wir nur über die Qualität des
Lebens einerseits und über eine Verlängerung des Lebens anderseits reden müssten.

Beide Punkte, Qualität und Länge, befruchten sich ja gegenseitig.Ich kann kurz und sinnreich gelebt haben. Und ich kann lange mit sehr geringer Lebenskunst gelebt haben. Dem Anschein nach, ist der Tod eines 99jährigen, der ein erfülltes Leben lebte, ja durchaus akzeptabel. Er ist zumindest weniger schlecht als der Tod eines Zwanzigjährigen.  Hier hat der Tod etwas genommen, nämlich Lebensspanne.Die Frage stellt sich auch hier: welcher Tod ist von übel?

Niemand kann diese Frage beantworten.  Der antike Philosoph Seneca schlägt sich übrigens auf die Seite der Lebensqualität. Für ihn kommt es darauf an, wie gut, nicht wie lange man lebt. Aber wer sagt uns, was gut ist? Lebensspanne versus Lebensqualität – ein wahrhaftes
Erich Fried sagte, dass nicht der Tod selbst das Problem ist, das Wissenum die Sterblichkeit, das ist unser Schrecken. Für ihn war der Tod also von übel, etwas Schlechtes. Er meinte wohl auch, dass der Gedanke an das Ende unser ganzes Leben negativ beeinflusst.

Sterben kann man nicht üben. Wir tun es nur einmal.
Fassen wir noch einmal zusammen:

1. Unsere Bedeutung im Kosmos ist sinnlos.

2. Um unser Leben sinnvoll zu machen, nehmen wir es wichtig

3. Der Tod ist unabdingbar mit dem Leben verknüpft, nicht planbar, wir erleben ihn nicht

4. Der Tod ist neutral und schlecht: weil er uns mögliche Lebenszeit nimmt, er beraubt uns unserer Wünsche und Erfahrungen

5. Aber: Der Tod gibt uns Endlichkeit. Dadurch werden wir zur Moral, zu Lebensqualität, auch zu einer Lebenskunst gezwungen.

In der Limitierung der Zeit liegt wohl der Wert. Gehen wir mit der Lebenszeit pfleglich um, mit diesem zentralen Aspekt des Lebens. So gesehen gehören Leben und Sterben unauflösbar zusammen.

Ich hoffe auf eine positive Haltung zur eigenen Sterblichkeit. Die Vernunft weist uns den Weg, den Tod als Konstante des Lebens zu akzeptieren.Und wenn wir das geschafft haben, dann brauchen wir den Tod auch nicht zu fürchten. Der Tod kann also durchaus etwas Gutes sein.

Der Tod ist das natürliche Ziel des Lebens.
Das aber muss jeder mit sich selbst abmachen.